In Frechen nimmt die Zahl der Flüchtlinge zu. In der vergangenen Woche kamen 153 neue Menschen in ein Erstaufnahme-Zentrum, das die Stadt in der Dreifachturnhalle am Gymnasium eingerichtet hat. Erst drei Tage zuvor waren die Flüchtlinge vom Land NRW angekündigt worden. „Die Stadtverwaltung hat eine schnelle Lösung gefunden, die dafür sorgt, dass die Menschen zunächst einmal mit dem Nötigsten versorgt sind. Das ist gut so, denn sie sind erschöpft und zum Teil auch traumatisiert“, sagt Susanne Stupp, Bürgermeisterkandidatin und CDU-Parteivorsitzende in Frechen. „Nach allem, was wir wissen, muss sich unsere Stadt in diesem Jahr auf weitere Flüchtlinge vorbereiten. Dafür sind wir auf die Unterstützung vieler Bürger und Vereine angewiesen. Die Bereitschaft dazu ist groß“, freut sich Stupp. Andere Rhein-Erft-Kommunen wie Erftstadt, die ebenfalls weitere Flüchtlinge erwarten, haben angekündigt, von der guten Praxis in Frechen lernen zu wollen.
Frechen habe eine „Willkommenskultur“ entwickelt, erläutert die CDU-Politikerin, die am Tag der Ankunft an der Seite von Bürgermeister Hans-Willi Meier selbst Getränke und Essen an die neu eingetroffenen Flüchtlinge ausgegeben hatte. Die Feuerwehr Frechen, das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter Samariter Bund, das Flüchtlingsnetzwerk des Integrationsrates und zahlreiche freiwillige Helfer wie Ärzte und Dolmetscher machten die Erstaufnahme mit ihrer Unterstützung erst möglich. Mittlerweile sind auch viele Kleider-Spenden von Frechener Bürgern eingetroffen. Die Stadtverwaltung bittet darum, Kleidung in den bekannten Kleiderstuben von St. Severin oder St. Audomar abzugeben. Alle Spenden werden von der Stadt an die Flüchtlinge verteilt. Die ökumenische Nachbarschaftshilfe „Miteinander-Füreinander“ in Königsdorf hatte in den vergangenen Monaten Fahrräder gesammelt.
Derzeit leben bereits rund 300 Flüchtlinge aus etwa 30 Herkunftsländern in Frechen. Darunter sind Menschen aus den Bürgerkriegsregionen Syrien, Irak und Afghanistan, aber auch zahlreiche Asylbewerber aus dem Kosovo und Albanien. Die Stadtverwaltung bemüht sich im Anschluss an die Erstunterbringung darum, die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen, bis der Status geklärt ist. Für diesen Zweck werden weitere freie Unterkünfte auf Frechener Stadtgebiet gesucht.
„Wir werden die hohe Hilfsbereitschaft der Frechener Bürger erhalten, wenn klar ist, dass zügig und konsequent über Asylverfahren und Aufenthaltsstatus entschieden wird. Das müssen die dafür zuständigen Stellen sicherstellen, sonst kann die Solidarität für die tatsächlich an Leib und Leben gefährdeten Menschen schnell gefährdet werden“, erklärt Susanne Stupp. Außerdem müssten Land und Bund die Kommunen stärker bei der Aufnahme der Flüchtlinge unterstützen.